Biofolien Hintergrund

1. Alle sprechen über Biofolien. Was bedeutet das konkret?

2. Gibt es Wechselwirkungen mit Lebensmitteln oder anderen Produkten?

3. Was muss sensorisch und organoleptisch beachtet werden?

4. Was geschieht im Wasser, an der Luft und in der Erde mit der Biofolie?

5. Kann die Folie zu Hause kompostiert werden?


6. Wie ist die CO2-Bilanz im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungen?

7. Welche Barriereeigenschaften hat Biofolie (Gas/Aroma, H2O)?

8. Biofolien sind ein tolles neues Produkt. Aber wo sind die Grenzen?

9. In welchen Stärken können Biofolien extrudiert werden?

10. Ist eine Biofolie genauso dick wie eine vergleichbare PE-Folie?

11. Wie sieht es mit der Belastbarkeit der neuen Biofolien aus?

12. Welche Arten von Biofolien gibt es?

 

1. Alle sprechen über Biofolien. Was bedeutet das konkret?

Der Begriff Biofolie wird in der Industrie für sehr unterschiedliche Produkte verwendet. Gemein haben diese Produkte nur eines: Sie sind umweltfreundlicher als konventionelle Produkte, weil sie entweder aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt werden oder weil sie kompostierbar sind.

2. Gibt es Wechselwirkungen mit Lebensmitteln oder anderen Produkten?

Es sind keine Wechselwirkungen bekannt, in denen sich Biofolien im Kontakt mit Lebensmitteln von anderen Folienprodukten unterscheiden.

3. Was muss sensorisch und organoleptisch beachtet werden?

Biofolien verhalten sich hier nicht anders als konventionelle PE-Verpackungsfolien.

4. Was geschieht im Wasser, an der Luft und in der Erde mit der Biofolie?

Da für den Kompostierungsvorgang besondere Temperaturen, Feuchtigkeit und Mikroorganismen erforderlich sind, zerfällt die Folie unter normalen Umweltbedingungen nur sehr langsam. Es ist daher sinnvoll in der Kommunikation mit Endkunden darauf hinzuweisen, dass eine unachtsame Entsorgung der Folie in der Natur nicht sinnvoll ist.

5. Kann die Folie zu Hause kompostiert werden?

In einem funktionierenden Kompostsystem kann die Folie auch zu Hause kompostiert werden. Auf Grund der längeren Dauer der Zersetzung und der zu erwartenden suboptimalen Bedingungen in privaten Kompostanlagen kann diese Entsorgungsvariante jedoch nur eingeschränkt empfohlen werden.

6. Wie ist die CO2-Bilanz im Vergleich zu herkömmlichen Verpackungen?

CO2-Bilanzen bieten entsprechend der Normen ISO 14040 ff. eine Möglichkeit, zwei Produkte zum Beispiel innerhalb eines Unternehmens zu vergleichen. Ein Vergleich zweier Produktgruppen wie Bio- und konventionellen Folien ist daher nicht sinnvoll. Hier konkrete Aussagen zu treffen wäre wissenschaftlich nicht haltbar. Als Faustformel lässt sich jedoch sagen, dass eine Biofolie im Vergleich zu einer für die gleiche Anwendung konstruierten konventionellen PE-Folie besser abschneidet und über das gesamte Produktleben einen geringeren CO2 Ausstoß verursacht. Grund für diese Faustformel ist die Tatsache, dass die Produktion konventioneller Rohstoffe auf Öl-Basis energetisch wesentlich aufwändiger ist als die Produktion von Granulaten aus nachwachsenden Rohstoffen. Zudem ist der Entsorgungsprozess konventioneller Verpackungsfolien (etwa durch das Duale System Deutschland) aufwändiger als bei Biofolien.

7. Welche Barriereeigenschaften hat Biofolie (Gas/Aroma, H2O)?

Biofolien besitzen in der Regel bessere Barriereeigenschaften für Sauerstoff als vergleichbare PE-Folien. Die Barrierenfunktion für Wasserdampf ist dagegen schlechter. Diese Kombination kann sich positiv auf die darin verpackten Obst- und Gemüseprodukte auswirken: Feuchtigkeit kann einfacher entweichen - das verhindert schnelle Schimmelbildung. Im Gegenzug kommt weniger Sauerstoff an das Produkt, was den Oxidationsprozess verlangsamen kann. Das Produkt hält daher tendenziell länger.

8. Biofolien sind ein tolles neues Produkt. Aber wo sind die Grenzen?

Biofolien können heute schon in vielen Bereichen eingesetzt werden, jedoch unter Umständen mit Abstrichen. So sind zwar hochtransparente Folien genauso wie sehr flexible und weiche Folien (zum Beispiel für Obst- und Gemüsebeutel) möglich - eine Kombination dieser zwei Eigenschaften lässt die Forschung momentan jedoch noch an ihre Grenzen stoßen. So sind besonders transparente Folien eher steif, während flexible und weiche Folien momentan noch matter sind. Zudem sind aktuell keine Schrumpffolien möglich.

9. In welchen Stärken können Biofolien extrudiert werden?

Biofolien werden heute im Ein- oder Mehrschichtverfahren in einer Dicke von 15 bis 120 µm extrudiert.

10. Ist eine Biofolie genauso dick wie eine vergleichbare PE-Folie?

Generell kann man sagen, dass Biofolien bei gleichen Eigenschaften wie PE-Folien rund 25 Prozent dünner gefertigt werden können. Eine Gewichtsersparnis ergibt sich hieraus jedoch nicht, da die Biofolie eine höhere Dichte besitzt und somit pro Flächeneinheit schwerer ist als eine vergleichbare konventionelle Folie.

11. Wie sieht es mit der Belastbarkeit der neuen Biofolien aus?

Die Schweißnahtfestigkeit bei Biofolien ist vergleichbar mit den Werten konventioneller Folien. So sind im Beutelbereich Folien für ein Gewicht von bis zu fünf Kilo problemlos realisierbar.

12. Welche Arten von Biofolien gibt es?

Grundsätzlich unterscheidet man beim Begriff der Biofolie drei verschiedene Klassen:

1. kompostierbare Folien, die jedoch nicht aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt wurden
2. kompostierbare Folien aus nachwachsenden Rohstoffen
3. nicht kompostierbare Folien aus nachwachsenden Rohstoffen

Zudem sind Mischvarianten der Klasse eins und zwei möglich. Der Anteil an Granulaten aus nachwachsenden Rohstoffen liegt dann durchschnittlich bei circa 30-50 Prozent, Tendenz steigend. Folien nur aus nachwachsenden Rohstoffen sind zwar möglich, jedoch durch die speziellen Anforderungen nur beschränkt als Verpackungsfolien einsetzbar.