Einführung/Management: Was ist wichtig zu wissen, wenn Biofolien als neues Verpackungsmaterial eingeführt werden sollen?

1. Umstellung von konventionellen Folien auf Biofolien - was gibt es zu beachten?

2. Was sind wichtige Argumentationshilfen, um Biofolien in Unternehmen als neue Verpackung einzuführen?

3. Wie lassen sich Biofolien in ein bestehendes CSR-Konzept (Corporate Social Responsibility) integrieren?

4. Muss der Abfüller weiter Abgaben an den Grünen Punkt entrichten, wenn Biofolien zur Verpackung verwendet werden?

5. Müssen Biofolien anders gelagert werden als konventionelle Folien?

6. Wie beeinflussen Licht, Wärme und Feuchtigkeit die Lagerfähigkeit der Folie?

7. Welche Marktdaten gibt es über Biofolien?

8. Welche Faktoren beeinflussen die Marktentwicklung?

9. Kann man mit Biofolien die Kondensatbildung in der Verpackung vermeiden?

 

 

1. Umstellung von konventionellen Folien auf Biofolien - was gibt es zu beachten?

Bei der Einführung von Biofolien sollten insbesondere zwei Faktoren beachtet werden: der Preis und die gewünschten Eigenschaften.

Auf Grund geringerer Produktionsmengen und teurerer Rohstoffe werden Biofolien auf absehbare Zeit teurer bleiben als konventionelle Folienprodukte. Zudem sind die gewünschten Eigenschaften einer Biofolie noch nicht im gleichen Maß flexibel kombinierbar, wie es bei herkömmlichen PE- und PP-Folien (Polyethylen, Polypropylen) möglich ist. So sind zwar hochtransparente Folien genauso wie sehr flexible und weiche Folien (zum Beispiel für Obst- und Gemüsebeutel) möglich - eine Kombination dieser zwei Eigenschaften lässt die Forschung momentan jedoch noch an ihre Grenzen stoßen. Daher sind besonders transparente Folien eher steif, während flexible und weiche Folien momentan noch matter sind.

2. Was sind wichtige Argumentationshilfen, um Biofolien in Unternehmen als neue Verpackung einzuführen?

Für Unternehmen gibt es viele Gründe, Biofolien in der Verpackung ihrer Produkte einzusetzen: Ein positives Image durch die Verwendung dieser Verpackungsinnovation, die Reduktion der Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen sowie der Umweltschutzgedanke durch die Reduktion globaler Erwärmung sind nur drei Gesichtspunkte. Dazu kommen ein hohes Ansehen bei den Konsumenten, eine effektive Integration in bestehende CSR-Prozesse (Corporate Social Responsibility) sowie nicht zuletzt auch wirtschaftliche Gründe: Konventionelle Kunststoffe sind in den vergangenen zwei Jahren bis zu 80 Prozent teurer geworden - eine Steigerung, die bei Biokunststoffen nicht zu erwarten ist. Im Gegenteil - hier kann mittel- bis langfristig sogar von einer Vergünstigung des Materials ausgegangen werden. Zudem sind kompostierbare Biofolien bis 2012 von der Abgabe an den Grünen Punkt befreit.

Für Abfüller von frischen Lebensmitteln ergeben sich noch weitere logistische Vorteile: Bei einer Überlagerung der verpackten Ware kann das gesamte Produkt über das Kompostsystem entsorgt werden. Die Verpackung muss dafür zuvor nicht mehr manuell entfernt werden.

3. Wie lassen sich Biofolien in ein bestehendes CSR-Konzept (Corporate Social Responsibility) integrieren?

Ein CSR-Konzept zur Kommunikation der nachhaltigen Wirkungsweise von Unternehmen baut in der Regel auf drei Säulen auf: I. soziales Handeln, II. ökologische Verträglichkeit und III. ökonomische Nachhaltigkeit. Kompostierbare Biofolien auf Basis nachwachsender Rohstoffe lassen sich hier leicht in die Säulen II. und III. integrieren. Die ökologische Verträglichkeit erklärt sich durch die Kerneigenschaften der Folien leicht selbst. Der Einsatz einer Biofolie zeichnet sich im Sektor der ökonomischen Nachhaltigkeit vor allem durch die Steigerung des Markenwerts aus. Dies wiederum sichert langfristig den Status des Unternehmens und die damit verbundenen Arbeitsplätze, womit auch die erste Säule berücksichtigt ist.

4. Muss der Abfüller weiter Abgaben an den Grünen Punkt entrichten, wenn Biofolien zur Verpackung verwendet werden?

Nein, sofern es sich um kompostierbare Biofolien handelt. Diese sind bis 2012 von der Abgabe an den Grünen Punkt befreit.

5. Müssen Biofolien anders gelagert werden als konventionelle Folien?

Beim Transport sollten die Paletten mit einer Stretchhaube oder Schrumpffolie überzogen sein, um die Biofolie optimal zu schützen. Es empfiehlt sich, diese Schutzschicht im Lager zu entfernen, damit eventuell angestaute Feuchtigkeit entweichen kann. Danach sollte die Biofolie - genau wie konventionelle PE-Folie - vor Licht, Wärme und Feuchtigkeit geschützt lagern. So bleiben die Biofolien problemlos drei Monate lagerbar.

6. Wie beeinflussen Licht, Wärme und Feuchtigkeit die Lagerfähigkeit der Folie?

Grundsätzlich sollten äußere Einflüsse im Lagerzeitraum möglichst gering gehalten werden, um eine optimale Qualität der Folie zu gewährleisten. In diesen Punkten unterscheidet sich die Biofolie nicht von konventionellen PE-Folien.

Übermäßiges Licht, zum Beispiel dauerhafte direkte Sonneneinstrahlung, kann zu einer Versprödung der Folie und zu Farbveränderungen führen. Die Folie wird brüchig und bleicht aus.

Eine dauerhafte Wärmequelle in der Nähe der Folie führt zu den gleichen Veränderungen wie Licht. Darüber hinaus steigt die Gefahr, dass die Folie durch Hitze weich und damit unbrauchbar wird.

Feuchtigkeit selbst kann der Folie nichts anhaben. Die Struktur einer aufgewickelten Folienrolle bildet jedoch im Zusammenspiel mit Feuchtigkeit den idealen Nährboden für Mikroorganismen, die sich zwischen den Folienschichten wohl sehr wohl fühlen. Schimmel kann die Folge  sein.

7. Welche Marktdaten gibt es über Biofolien?

Biofolien sind ein sehr junges Produkt, weshalb verlässliche Marktzahlen nur schwer zu bekommen sind. Die aktuellsten Zahlen stammen vom Verband European Bioplastics, der den Gesamtmarkt der Biokunststoffe so umreißt:

  • ca. 75.000 bis 100.000 Tonnen Biokunststoffe wurden 2007 in Europa verarbeitet
  • dies entspricht einem Anteil von circa 0,2 Prozent am gesamten europäischen Kunststoffmarkt
  • die jährliche Wachstumsrate bei Biokunststoffen wird auf circa 20 Prozent geschätzt
  • im Jahr 2011 wird die jährliche Produktionsmenge an Biokunststoffen erstmals die Grenze von einer Million Tonnen überschreiten

8. Welche Faktoren beeinflussen die Marktentwicklung?

Momentan wird die Marktentwicklung insbesondere durch die angespannte Lage auf der Rohstoffseite beeinflusst: Kunststoff-Granulathersteller sehen sich einer vielfach größeren Nachfrage gegenüber als sie mit ihren Produkten abdecken können. Schätzungen zu Folge wird sich daran auch in den kommenden Jahren nicht viel ändern.

Hinzu kommt die aktuelle politische und gesellschaftliche Diskussion über die Verwendung landwirtschaftlicher Ressourcen für industrielle Anwendungen als Grundlage für Biokunststoffe und Biotreibstoff. Obwohl Biokunststoffe im Gegensatz zu Biotreibstoff nur einen kleinen Teil (allein in Deutschland wird zehn Mal so viel Biotreibstoff wie Biokunststoff produziert) ausmacht, lähmt die Diskussion den Marktbetrieb.

Die angespannte Marktlage mit einer weitaus größeren Nachfrage- als Angebotsseite kann nur durch die Aufstockung der Produktionskapazitäten beruhigt werden. Die Bereitschaft hierzu ist vorhanden: aktuell erweitern alle nennenswerten Rohstoffproduzenten ihre Kapazitäten. Mit einer Entspannung ist jedoch nicht vor 2011 zu rechnen.
 

9. Kann man mit Biofolien die Kondensatbildung in der Verpackung vermeiden?

Biofolien sind keine Lösung zur Verhinderung von Kondensatbildung. Zur Vermeidung der optisch sichtbaren Tröpfchenbildung werden im Kunststofffolienbereich so genannte Antifog-Additive eingesetzt. Hierdurch wird der Wasserfilm der sich bei der Kondensierung bildet gleichmäßig auf der Folienoberfläche verteilt und dadurch die Durchlässigkeit des Lichts erhöht. Die generelle Kondensatbildung beeinflusst dies jedoch nicht.